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Der ultimative Survival Guide für die Transsibirische Eisenbahn

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Es ist Sonntag. Dies ist der neunte Tag meiner Reise und der fünfte, den ich im Zug verbringe. Ja, fünf Tage dauert meine Fahrt mit der tranissibirschen Eisenbahn schon. Morgen, am sechsten Tag, werden wir in Peking, der Endstation dieses Zuges aussteigen. Mit Käsefüßen, fettigen Haaren, schmerzenden Hüftknochen, Erleichterung. Und Hunger – auf China und was Vernünftiges zum Essen. 

Doch auch, wenn es in diesem Zug weder Wifi noch eine Dusche gibt, will ich diesen Abschnitt meiner Reise nicht missen. Wann darf man ein Zugabteil schon mal eine Woche lang sein Zuhause nennen? Wann hält man sich innerhalb eines Tages schon mal in drei verschiedenen Zeitzonen auf? Wann erfasst man schon mal die unendliche Weite und Schönheit unserer Welt auf so bodenständige Weise?

Eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn ist ein Erlebnis, um nicht zu sagen ein Abenteuer. Nicht alles auf dieser Fahrt ist bequem, aber mit einem kleinen Feinschliff der Vorbereitungen und nützlichen Tipps wird der rollende Aufenthalt mehr als erträglich. Enjoy the Ride 😉

Der Survival Guide für die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn

Das Wichtigste zuerst: Essen

Ich empfehle, so viel Essensvorräte mitzunehmen, dass du bis zu deinem Zielort damit auskommen könntest. Weiter unten liste ich auf, was ich genau dabei hatte. Wenn du allerdings so verfressen bist wie ich, wirst du die rationierten Portionen nicht einhalten und/oder akutes Verlangen nach etwas haben, das du natürlich nicht dabei hast. Für solche Fälle gibt’s an den meisten Bahnhöfen, an welchen der Zug hält, kleine Kioske oder ähnliches. Dort kann man für (europäische Verhälnisse) wenig Geld gekühlte Getränke, Obst, Fertiggerichte, Chips, Eis und andere Ungesundheiten erstehen. Unter Zero Waste Gesichtspunkten natürlich nicht die optimalste Lösung. 

Darüber hinaus gibt’s natürlich einen Speißewaggon. Mehr als einen Kaffee habe ich mir dort bisher allerdings nicht gekauft, da die Preise relativ teuer sind. Bis China hängt an dem Zug ein russisches Restaurant. An der chinesischen Grenze wird der Speißewaggon durch einen chinesischen ersetzt, der sich unter den meisten reisenden größerer Beliebtheit erfreut.

UPDATE: nachdem wir die chinesische Grenze überquert hatten, wurden uns sogar zwei Essensmarken für den chinesischen Speißewagen in die Hand gedrückt. So konnten wir am letzten Tag der Zugfahrt umsonst Frühstücken und Mittagessen.

Darum: Genügend eigene Vorräte mitnehmen. Die Kioske an den Bahnhöfen waren bei mir nur Anlaufstellen für Heißhunger auf Schoki oder so. 

Mein veganes Fresspaket für die Fahrt mit der Transsib:

  • eine Banane und einen Apfel für jeden Tag
  • eine Packung Porridge für jeden Tag (hab ich im Sirplus Rettermarkt in Berlin gekauft, aber natürlich kannst du dir dein Porridge auch schon selber daheim vormischen und in einem Behälter mitnehmen)
  • unzählige Riegel (hab ich zum größten Teil ebenfalls aus dem Rettermarkt, den Rest in Moskau gekauft)
  • eine Packung Vollkornbrot
  • eine Packung Knäckebrot
  • ein Glas Peanut Butter
  • eine Packung Salzbrezeln
  • eine selbstgemachte Nussmischung aus dem Unverpacktladen
  • Trockenfrüchte
  • Tee

In jedem Wagon gibt es einen Spender für heißes Wasser – der Samowar. Dies ist deine Allzweckwaffe, um während der Fahrt gut ernährt und hydriert zu bleiben. Tee, Porridge, Instant-Nudeln, Suppen – der kann alles. 

Apropos hydriert bleiben: Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass es im Zug einen Spender für kaltes Trinkwasser gibt. In unserem chinesischen Zug gab es den leider nicht. In einem russischen Zug könntest du mehr Glück haben. Doch auch, wenn du keine Lust hast 10 Liter Wasser in den Zug zu schleppen, wirst du nicht verdursten. Erstens, weil es an fast jedem Stopp günstiges Wasser in Flaschen zu kaufen gibt. Und zweitens, weil in jeder Kabine eine große Teekanne steht, die man verwenden kann. So trinke ich hier fast ausschließlich Tee. An den Stops habe ich mir bisher zwei Flaschen Wasser und eine Cola (shame on me) gegönnt. Für 1,5 Liter Wasser muss man da nur 60 Rubel (= 0,85 €) locker machen.

#oott – Outfit of the Train

Was anziehen, wenn man sechs Tage lang im Zug haust? GUMMIBUND. Leggins, Jogginghosen und Schlafanzughosen sind absolut erlaubt. Denk daran, dass du viel sitzen wirst. Daher empfehle ich, nichts anzuziehen, was den Bauch oder die Kniekehlen einschnüren könnte. 

Darüber hinaus ist es sehr komfortabel ein Paar Schuhe dabei zu haben, in die man schnell mal reinschlüpfen kann. Birkenstock, Flip-Flops, Adiletten oder ausgelatschte Sneaker – funktiniert alles. Vor allem für den Gang aufs stille Örtchen sollte man nicht barfuß unterwegs sein. 

Ansonsten: Zwiebellook. Je nachdem zu welcher Jahreszeit du reist und welche Strecke du wählst, können die Temperaturen schon mal schwanken. Als ich mit der transsibirischen Eisenbahn gefahren bin, war es Mitte September. In Moskau, wo die Zugreise begann, war es tagsüber ziemlich frisch, so dass ich nicht ohne Jacke rausgehen konnte. Nachts wurde es im Zug, auch dank der windigen Fenster, so kalt, dass meine Füße trotz doppelter Lage an Decke und Socken nicht warm wurden. 

Doch schon ab dem dritten Tag der Reise, als wir an der Kasachstanischen Grenze entlang fuhren, änderte sich das Klima. Die Nächte wurden milder und tagsüber tat es durchaus mal gut, ein bisschen zu lüften. 

Informiere dich auf jeden Fall im Voraus, wie das Wetter an den verschiedenen Orten deiner Reise sein wird. Die Strecke ist lang, du wirst durch Städte, Wälder, Steppen, Berge und Wüste fahren – be prepared 😉

Sanitäranlagen im Zug

Hat nix mit Sanitäter zu tun, obwohl man den beim Anblick der stillen Örtchen gerne mal rufen würde. Was zuhause oft ein Ort der Zuflucht und Behaglichkeit war, will man in diesem Zug nicht anfassen. Muss man aber, da man hier in den nächsten Tagen seine Katzenwäsche, seinen Abwasch und seine Geschäfte, welcher Art auch immer, vollziehen wird. 

Sanitäranlagen in der Transsibirischen Eisenbahn.
Die Klosituation.

Dazu muss ich allerdings wieder einmal erwähnen, dass ich einen chinesischen Zug erwischt habe. Leider kann ich nicht sagen, welche Strecken zu welchen Zeiten chinesischen Zugunternehmen zugeteilt werden. Allerdings habe ich gehört, dass die Klosituation in den russischen Zügen bzw. Abteilen etwas angenehmer sein soll. 

Es ist empfehlenswert, stets Seife und Klopapier griffbereit zu haben. Seife gab es auf unseren Zugklos nicht, Klopapier war regelmäßig aus, wurde aber wieder aufgefüllt. 

Die Hinterlassenschaften befördert man höchstpersönlich mit einem Tritt auf ein Pedal auf die rarunter vorbeiflitzenden Gleise. Schon blöd genug, dass man das Klopapier damit in die Umwelt beförtert. Darum bitte keine Hygieneartikel oder sonstigen Müll ins Klo werfen. In unseren Klos gab es leider keine Mülleimer, was für manche Damen etwas ungünstig gewesen sein dürfte, aber der nächste ist normalerweise nicht weit. 

Um möglichst wenig Zeit auf dem Klo zu verbringen, hab’ ich immer in meiner Kabine zähnegeputzt und bin dann erst zum Ausspülen Richtung Waschbecken getrottet. Das Wasser aus dem Hahn sollte man zwar auf gar keinen Fall trinken, aber zum Ausspülen und Gurgeln ist es offensichtlich ok.

Auf die Gefahr hin, dass einige schon allein bei dem Gedanken daran Käsefüße bekommen: Es gibt keine Duschen im Zug. In der zweiten Klasse nicht, falls es eine dritte Klasse gibt, schon gar nicht und ich glaube, in der ersten auch nicht. Bisher komme ich ganz gut damit durch, täglich meine Achseln auszuwaschen. Ich rieche noch nichts (oder nicht mehr?). Mit etwas Glück stinkt das Klo sowieso mehr als du, also keine Angst. Und für all diejenigen, die unter schnell fettenden Haaren leiden: Trockenshampoo hilft. Mit Spießestärke oder Mehl funktioniert das genau so gut (Zero Waste Variante ;)). Für dunkles Haar einfach mit Kakao mischen. 

Verbindung zur Außenwelt

Um die 3 wichtigsten Fragen gleich zu beantworten: 

  1. Nein, es gibt nicht in allen Zügen, die die Strecke der transsibirischen Eisenbahn befahren, Wifi. In meinem Zug, einem chinesischen, gab es beispielsweise keines. 
  1. Ja, in Russland hat man hin & wieder gutes, mobiles Internet. Will man während der Reise also erreichbar sein, kann man sich eine russische Simkarte zulegen. Ich bin in Moskau einfach in den erstbesten Laden marschiert, der so aussah, als hätte er etwas mit Mobilfunk am Hut. Für 2 GB Datenvolumen hab’ ich ca. 8 € bezahlt. Damit konnte ich die ersten vier Tage der Reise täglich mit meiner Mama und mit meinem Freund telefonieren sowie ab & an Instagram auschecken – wenn wir uns gerade in einer urbaneren Gegend aufgehalten haben. 

In der Nacht von vierten auf den fünften Reisetag haben wir dann die Grenze zur Mongolei überquert – da war’s natürlich vorbei mit dem russischen Mobilfunk. Aber die restlichen eineinhalb Tage bis Peking kann man schon mal ohne Connection nach zuhause aushalten, oder?

Steckdosen transsibirische Eisenbahn
  1. Und ja, es gibt Steckdosen im Zug. In der zweiten Klasse, mit der ich gefahren bin, allerdings nur auf dem Gang. Dort habe ich immer meine Powerbank zum aufladen angeschlossen und alleine gelassen – sowas klaut normalerweise keiner. 

Schlau packen

Es ist klug, sich für die Fahrt mit einem Nachtzug einen separaten Rucksack oder ähnliches zu packen. So muss man nicht die ganze Zeit in dem großen Rucksack oder Koffer wühlen und hat alles schnell zur Hand. 

Das “Hauptgepäckstück” kann dann getroßt an einer sichereren aber auch schwerer zugänglichen Stelle verstaut werden – da muss man dann ja nicht so oft ran. Hast du ein unteres Bett im Abteil gebucht, kannst du dies darunter verstauen. Gäste der oberen Betten können ihr Zeug in einem Fach über den Betten verstauen. 

Packliste

Hier die Essentials, die meiner meinung nach in deinen Zugrucksack gehören:

  • Reisepass + Visa
  • Powerbank + Ladekabel
  • Tasse/Becher
  • Schüssel + Besteck
  • Tee/instant Kaffee
  • Essen, das mit heißem Wasser zubereitet werden kann (z.B. Porridge, Instant-Nudeln)
  • kleines Handtuch
  • Klopapier
  • Seife
  • Deo
  • Zahnputzzeug
  • Kuschelsocken
  • Schuhe zum schnell an- & ausziehen
  • etwas Bargeld (da ich in Russland gestartet bin, hatt ich Rubel dabei)
  • Zeitvertreib (z.B. Bücher, Podcasts, Serien, Gesellschaftsspiele)
Russland Transsibirische Eisenbahn
Russland aus dem Fenster der transsibirischen Eisenbahn.

Mit diesem Wissen solltest du wohlbehalten durch deine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn kommen und sie in vollen Zügen (hehe) genießen können 🙂

Hab’ ich was vergessen? Willst du noch was wissen? Schreib’ mir gerne auf Instagram, in die Kommentare oder eine Mail an lisa@lisaheidi.com – ich freu mich von dir zu hören!

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